Ernst-Bloch-Preis

Der Ernst-Bloch-Preis zählt zu den herausragenden Kulturpreisen in Deutschland und Europa. Er wurde anlässlich des 100. Geburtstags Ernst Blochs im Jahre 1985 im Gedenken und zur Ehrung seines Werkes gestiftet.

Der Ernst-Bloch-Preis wird von der Stadt Ludwigshafen am Rhein im dreijährigen Turnus vergeben. Der Preis zählt neben dem Theodor-W.-Adorno-Preis der Stadt Frankfurt am Main, dem Karl-Jaspers-Preis der Stadt Heidelberg, dem Meister-Eckhart-Preis der Stadt Köln und dem Hegel-Preis der Stadt Stuttgart zu den wenigen bedeutenden Philosophie-Preisen im deutschsprachigen und europäischen Raum.

Er zeichnet "herausragendes wissenschaftliches oder literarisches Schaffen mit philosophischer Grundhaltung aus, das für die Kultur in kritischer Auseinandersetzung mit der Gegenwart bedeutsam ist. Den Förderpreis erhalten junge Autorinnen und Autoren, von denen aufgrund der bisherigen Leistung weitere qualifizierte wissenschaftliche oder literarische Arbeiten zu erwarten sind", so ein Auszug aus den Richtlinien.

Bisherige Preisträger waren unter anderem Hans Mayer, Jürgen Moltmann, Pierre Bourdieu, Eric J. Hobsbawm, Navid Kermani, Dan Diner, Carolin Emcke, Şeyla Benhabib, Lisa Herzog, Avishai Margalit und Axel Honneth.

 

Ernst-Bloch-Preis 2018

Der Politikwissenschaftler Achille Mbembe wird in diesem Jahr mit dem Ernst-Bloch-Preis ausgezeichnet, der Ernst-Bloch-Förderpreis geht an den Autor Maximilian Probst. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 2.500 Euro.

Diese Entscheidung traf der Beirat der Stadt Ludwigshafen am Freitag, 18. Mai 2018, unter Vorsitz von Bürgermeisterin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg. Vorausgegangen war ein einstimmiges Votum der Juroren Dr. Susanne Mayer (Journalistin, u.a. "Die Zeit"), Martin Schult (Leiter der Geschäftsstelle für den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels) und Dr. Klaus Kufeld (Leiter des Ernst-Bloch-Zentrums).

Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck überreicht die Preise in einem Festakt im Ernst-Bloch-Zentrum, Walzmühlstraße 63, am Donnerstag, den 15. November 2018. Der Anmeldezeitraum für den Festakt wird rechtzeitig vor der Preisverleihung veröffentlicht.

Hauptpreis 2018

Achille Mbembe (Copyright: Éditions La Découverte)


Prof. Dr. Achille Mbembe (geboren 1957) ist ein kamerunischer Historiker und politischer Philosoph. Er gilt als Vordenker des Postkolonialismus sowie als Kritiker rassistischer Denkstrukturen.
Schon in jungen Jahren entwickelte sich Mbembes Bewusstsein für gesellschaftliche und politische Missstände, beispielsweise engagierte er sich bereits in den 1980er Jahren in Alphabetisierungskampagnen für die afrikanische Landbevölkerung. Ab 1982 studierte Mbembe Geschichte an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und schloss sein Studium 1989 mit einer Promotion im Fach Geschichte ab.

Mbembe war an vielen renommierten Universitäten tätig, so etwa an der Columbia University, der University of California in Berkeley, der Yale University und der Duke University. Derzeit lehrt Achille Mbembe an der University of the Witwatersrand in Johannesburg.
Für sein Buch "Kritik der schwarzen Vernunft" wurde Mbembe 2015 mit dem 36. Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. Er thematisiert und kritisiert, dass die Ausdehnung des globalen Kapitalismus auf den Strukturen des transatlantischen Sklavenhandels basiere. Der Aufklärung zum Trotz breite sich – auch gegenwärtig – rassistisches und subalternes Denken weiter aus. In seinem jüngsten Buch "Politik der Feindschaft" (2017) untersucht er das Konzept der Feindschaft, setzt es in den Kontext der Konflikte um die Entkolonialisierung im 20. Jahrhundert und beleuchtet zudem die Gefahren, die sich daraus für liberale Demokratien ergeben.

Die Begründung der Jury lautet:
"Mit Achille Mbembe zeichnet die Stadt Ludwigshafen am Rhein einen der wichtigsten Denker des afrikanischen Kontinents aus, der mit seinem Blick auf gesellschaftliche Brüche und die Gefahren der Demokratie über die Grenzen hinaus für eine humane Welt im Sinne Ernst Blochs eintritt."

Förderpreis 2018

Maximilian Probst (Copyright: Julia Krüger)

Maximilian Probst, 1977 in Hamburg geboren, hat dort Philosophie, Geschichte und Germanistik studiert. Nach dem Magister war er in Wien Mitarbeiter des philosophisch ausgerichteten Passagen Verlags, er hat Werke von Paul Virilio, Slavoj Žižek und Alain Badiou ins Deutsche übersetzt.

Journalistische Tätigkeit unter anderem bei "Die Tageszeitung". Seit 2011 arbeitet Probst als freier Publizist, unter anderem für DIE ZEIT oder die "Blätter für deutsche und internationale Politik". Der Autor erhielt 2014 den Clemens-Brentano-Preis der Stadt Heidelberg. 2016 erschien sein Buch "Verbindlichkeit. Plädoyer für eine unzeitgemäße Tugend". Probst thematisiert darin den Verlust von Verbindlichkeiten in unserer modernen Gesellschaft und philosophiert darüber, welche Konsequenzen sich daraus für unser Leben ergeben beziehungsweise mit welchen Lösungen wir diesen Verlust auszugleichen versuchen.

Die Begründung der Jury lautet:
"In elegant formulierten und scharfsinnig argumentierenden Essays durchdringt Maximilian Probst unsere Zeit. Ob es um ‚Mündig sein‘ in Bezug auf die Kunst des Kochens geht oder um Übungen in Verbindlichkeit, um das Fahrradfahren oder die Welt der Social Media, den rechten Populismus oder das Versagen der politischen Eliten in der Bekämpfung des Klimawandels – Probst denkt präzise und schreibt engagiert. Seine Texte sind Anregungen im besten Sinne."